Field of Glory II

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Rom – endlich wieder Rom! Fields and Glory II hätte nicht passender auf meinem Tisch landen können. Der November lädt herrlich zum Lesen ein und so hatte ich ein Buch über die Römische Armee der Kaiserzeit im Beschlag, das durch FoG II bestens ergänzt wurde.

 

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Das Spiel hat in seiner Grundversion die Kriege Roms ca. vom Beginn des ersten Punischen Krieges bis zum Ende des Bürgerkrieges zum Inhalt – genauer von 280 bis 25 vor Christus. Jeder Fan und halbwegs historisch interessierte wird jetzt rufen: Halt! Was hat das mit der Kaiserzeit zu tun – das ist natürlich richtig. Dennoch ist die durch FoG II abgedeckte Zeitspanne genau wie die frühe Kaiserzeit die absolute Blütezeit des römischen Heerwesens, da sei mir verziehen, beides zusammengerückt zu haben.

FoG II enthält zunächst 4 Kampagnen, die sich an die bedeutendsten Konflikte Roms zu dieser Zeit anlehnen: Zunächst der Krieg gegen Pyrrhos von Epirus, der eine erste ernste Herausforderung für Rom war, sodann der Zweite Punische Krieg gegen den berühmten Feldherrn Hannibal und als drittes der Pontische Krieg gegen Mithridates – in dem illustre römische Kriegsherren wie Lucullus, Sulla und Pompeius sich einen Namen machten oder erste Lorbeeren errangen. Zum guten Schluss fehlt noch Kampagne 4 – die sich mit dem Bürgerkrieg Caesars gegen Pompeius beschäftigt. Insgesamt sind 48 Fraktionen vertreten mit 86 verschiedenen Einheiten. Eine beeindruckende Zahl, wobei anzumerken ist, dass bereits in wenigen Tagen (am 5. Dezember) ein erstes Update mit neuem Setting und wohl auch etlichen neuen Einheiten und Fraktionen erscheinen wird.

Wie schon Pike and Shot und Sengoku Jidai ist auch Fields of Glory II eine Brettspielumsetzung für den PC – auf die hoffentlich folgende Umsetzung für iOS und Android freue ich mich schon jetzt – schließlich ist auch mal Urlaubszeit und da sind diese drei Titel eine willkommene Unterhaltung für unterwegs. Entsprechend werden Besitzer und Fans der beiden vorgenannten Titel rasch Ähnlichkeiten von Fields of Glory II entdecken. Allerdings bleibt es bei Ähnlichkeiten, denn die Engine wurde in hervorragender Weise verfeinert: So sind diverse kleine Änderungen in der Mechanik in den jetzt vorliegenden Titel eingeflossen, die das Spiel noch deutlich spannender gestalten.

Absolute Besonderheit gegenüber Pike and Shot sowie Sengoku Jidai ist jedoch die Vielfalt der Einheiten, die eine wahre Herausforderung für die Engine sind. Während in PaS und SJ recht ähnliche Armeen aufeinander losgehen, ist die antike Welt durch große Unterschiede in den Einheiten geprägt: schwere Infantrie der Legionen gegen makedonische Phalanx, oder gallische Leichtbewaffnete gegen numidische Kavallerie, keltische Streitwagen gegen Auxiliarbogenschützen und vieles mehr. Man sieht worauf ich hinaus will: entgegen den älteren Titeln sind die Armeekonzepte teilweise so weit voneinander entfernt, dass es nur mit großer Sorgfalt möglich ist, eine halbwegs ausgewogenes Spiel zu erstellen. Zugleich setzt ein erfolgreicher Einsatz natürlich nicht wenige Kenntnisse der antiken Kriegführung voraus – will heißen, man sollte die Einsatzmöglichkeiten seiner Truppen kennen, um im Gefecht Erfolg zu haben.

Ebenso ist die Engine dahingehend verändert worden, dass z.B. Moraltests, die den Zusammenhalt der Einheit betreffen nicht nur für eine einzelne Einheit fällig werden, sondern durchaus auch für benachbarte Einheiten. Ebenso bekommt die Nähe zu Generalen einen Bonus: die freie 45-Grad-Drehung wird nur dann eingeräumt, wenn man sich innerhalb des Wirkungskreises des Kommandeurs befindet.

Im Bereich der Grafik hat man sich dafür entschieden den Brettspielfaktor als Wiedererkennungswert deutlicher hervorzuheben – ein Umstand der in FoG absolut kein Nachteil ist. Alle Einheiten sind sehr detailgetreu dargestellt: Waffen, Schilde, Ausrüstung, Körperverhältnis sind mit großer Sorgfalt umgesetzt. Einheiten, deren einzelne Soldaten sich durch eine gewisse Individualität auszeichen – bspw. Kelten oder auch die Phalanxkrieger, die sich durch unterschiedliche Schilde hervorheben sind entsprechend fein detailliert – kein Vergleich zu den seinerzeit recht klobig wirkenden „Pikenwäldern“ aus Pike and Shot. Ebenso lässt der Detailreichtum rasch erkennen, ob man Veteranenlegionäre, Standarttruppen oder eilig ausgehobene Rekruten befehligt. Hier kann man nur sagen: ein echter Hingucker! Auch das Spiel- oder besser Schlachtfeld ist aufwendig dargestellt – wenn man sich die Screenshots der Schlacht um Philippi betrachtet, wird deutlich, mit welcher Akribie hier jede Geländegegebenheit wiedergegeben wurde. Hier macht FoG seiner ursprünglichen Herkunft aus dem Hause Osprey alle Ehre – Osprey ist ein anerkannter Verlag für etliche militärhistorische Reihen, die sich über die Geschichte von Kriegertypen, Feldzügen, Waffensystemen bis zur Entwicklung von Kampftaktiken, Befestigungstechnologien und schlussendlich auch das Tabeltop-System Fields of Glory erstreckt.

Beim Sound kann man auch nicht meckern – das Schlachtfeld lebt und der Lärm zahlreicher Kämpfer macht dem Spieler immer wieder klar, wo er sich befindet. Kurze Fanfaren oder Signale verdeutlichen Angriffsbewegungen, Rückzüge oder auch die Flucht der jeweiligen Einheiten. Insgesamt ist die Soundausgabe zweckmessig: nicht schlecht – aber auch kein absolutes Highlight.

Für den Test haben wir nacheinander die Schlacht von Philippi des Jahres 42 v. Chr. gespielt und anschließend unterstützten wir den guten Crassus im Kampf gegen die Sklavenarmee des Spartacus.

Philippi. Wir erinnern uns: die Caesarmörder Brutus und Cassius hatten in den östlichen Provinzen ein Heer aufgestellt um den Caesarerben Octavian sowie Caesars früheren Reiterkommandeur Marcus Antonius zu schlagen. Geplant waren getrennte Schlachten gegen die beiden verfeindeten Caesarianer, die zur Überraschung von Brutus und Cassius gemeinsam in Griechenland erschienen und in zwei Schlachten das Heer der beiden Verschwörer vernichteten. In unserer nachgestellten Schlacht sind das Gelände und die Befestigungen der beiden Parteien und ihre jeweiligen Lager anschaulich dargestellt. Ebenso sind die Marschen und die Ebene von Philippi gut zu erkennen. Eingangs stehen sich beide Schlachtreihen wohlgeordnet gegenüber, doch bereits nach wenigen Zügen löst sich diese in einigen lokalen Strudeln auf, die die Truppen zu Sieg oder Niederlage bringen. Wir haben entgegen dem historisch korrekten Verlauf übel Schläge bekommen und verlieren die Schlacht aufgrund zu hoher Verluste.

Daher entschieden wir uns, Crassus‘ Armee gegen Spartacus zu führen – nicht zuletzt um zu sehen, ob unsere Fähigkeiten für ein paar „abgerissene Sklaven“ reichen würden. Wir erlebten einen interessanten Ausgang, da hier unsere taktische Planung voll aufging und die Sklavenarmee trotz heftiger Gegenwehr gnadenlos zerrieben worden ist.

Bei genauer Betrachtung zeigt sich hier die Herkunft des Titels als Umsetzung eines Tabletop-Systems – um eine echte Spielbalance zu erreichen benötigt man genaue Kenntnis der Truppen und ihrer Fähigkeiten. So ist es möglich auch sehr leistungsfähige Gegner wie die Römer ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Selbstverständlich gibt es für das bereits länger erhältliche Tabletop gute Tipps für Einsteiger mit etlichen Empfehlungen, welche Armeelisten sich für Neulinge und erfahrene Veteranen eignen.

Alles in allem ist Fields of Glory II ein absoluter Hingucker, der kurzweilig großartige Schlachten der Antike präsentiert und dabei eine würdige Computeradaption eines klassischen Tabeltops bietet. Nicht nur für Fans des Miniaturenspiels lohnenswert – Sahnehäubchen wird hoffentlich eine Umsetzung für mobile Plattformen.

 

 

 

 

 

Systemvoraussetzungen

OS: Windows 64 bits. Windows 7 / 8 / 10

CPU: 2 GHz
RAM: 4 GB
Video/Graphics: 1 GB DirectX 9.0c compatible video card (slower Intel integrated video cards will require the game to run on lower graphic settings)
Sound: Compatible sound card
Hard disk space: 2 GB Free
DirectX version: DirectX 9.0c

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Post Author: monty_fzpbwyem